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Karriere Killer!

Man sieht sich immer zweimal im Leben!

Auszug aus dem Buch „Karriere Killer!“ der renommierten Etikette-Expertin und Trainerin Nandine Meyden. Bei Interesse bieten wir Ihnen am Ende des Kapitels einen direkten Bestell-Link zu Amazon. Dort finden Sie auch weitere Informationen zu den anderen im Buch behandelten Aspekten.

Kapitel IV. / 5. „Schlimme Finger“ Es ist eine dieser Geschichten, die sehr unwahrscheinlich klingen – zu unglaublich ist der Zufall, der sich darin ereignet. Doch solch ein Zufall kann auch die größte Souveränität im Umgang mit meinen Mitmenschen zum Einstürzen bringen, wenn diese nicht ehrlichem Anstand sondern berechnendem Vorteilsdenken entspringt – wenn also meine Höflichkeit nur den Menschen gilt, die mir vielleicht noch nützlich sein können. Was für einen großen Schaden man sich selbst mit diesem mangelnden inneren Anstand zufügen kann, zeigt die folgende Geschichte.

Die Geschichte

Jan F. ist auf dem Weg zu einem Vorstellungsgespräch. Er ist kaufmännischer Angestellter in einem Verlag und sucht schon eine Weile nach einer neuen Stelle, die ihm etwas mehr Abwechslung, mehr Herausforderung und auch mehr Gehalt bringen kann. Nachdem er sein erstes Bewerbungsschreiben verschickt hat, bekam er sehr schnell einen Anruf. Es ging positiv weiter: In einer Telefonkonferenz gab es ein Interview mit ihm, nun will man ihn persönlich kennenlernen. Am Morgen des Vorstellungsgesprächs hat er gute Laune. Nur minimal wird sie dadurch getrübt, dass er sich beim Frühstück bekleckert und das Hemd noch einmal wechseln muss und auch die neue Krawatte, die sich nicht sehr geschmeidig binden lässt, verderben ihm die Laune nicht. Er hat noch genügend Zeit für den Weg zum Vorstellungsgespräch. Auch ein kleiner Stau auf der Stadtautobahn bringt ihn nicht in Zeitnot, auch wenn sein Puffer immer mehr dahinschmilzt. Ein wenig nervös wird er erst, als er feststellen muss, wie schwierig es um diese Zeit ist, einen Parkplatz zu bekommen. Er zieht mit dem Auto immer größere Kreise, die Zeit wird langsam wirklich knapp. Als er gerade beschließt, sein Auto in einer Parkverbotszone abzustellen, meint er, in unmittelbarer Nähe seiner Zieladresse einen frei werdenden Platz zu entdecken. Er tritt aufs Gas und schießt in den Parkplatz und stellt sein Auto einfach nur irgendwie hinein. Von der Straße her hört er sofort ein lautes Rufen und Hupen, er dreht sich noch einmal um. Zwei junge Frauen gestikulieren wild aus dem Fenster eines großen Autos. »He, Sie«, sagt die Fahrerin empört, »was fällt Ihnen ein! Das war unser Parkplatz. Ich habe doch nur rangiert, damit das breite Auto sauber hineinpasst. Da kommen Sie einfach an und schnappen mir den Platz weg. So geht das nicht.« Herrn Fs. Nerven liegen inzwischen blank. Wütend schaut er die beiden jungen Frauen an: »Na, das passt ja wieder mal. Frau am Steuer – Ungeheuer! Dann lernen Sie doch erst mal ordentlich fahren. Haben Sie denn überhaupt schon Ihren Führerschein, Sie, Sie …?« Sprachs, hob die Hand zu dem, was man wohl eine »rüde Handgeste« nennen könnte, drehte sich um und ging zu seinem Termin. Freundlich wurde er dort begrüßt, man bat ihn, kurz zu warten, dann wurde er in das Zimmer für sein Gespräch gebeten. Eine Runde von vier Personen begrüßte ihn dort noch einmal herzlich, man sprach etwa 20 Minuten miteinander in sehr kooperativer Atmosphäre und Jan F. wähnte sich schon am Ziel.Dann ging die Tür auf und genau jene Frau, die er vor einer halben Stunde noch am Steuer des schwarzen Mercedes gesehen hatte, setzte sich dazu. »Das ist Marlies S., die dann mit Ihnen gemeinsam arbeiten würde, wenn Sie hier anfangen. Sie konnte nicht rechtzeitig kommen, da Sie bei der Abholung unseres neuen Firmenwagens einige Schwierigkeiten hatte.« Ohne mit der Wimper zu zucken folgte die junge Frau dem Gespräch, beteiligte sich aber nicht. Erst am Ende, als es nach weiteren 15 Minuten zu Fragen seiner Arbeitsweise kam, beugte sie sich vor. »Mich würde nach unseren gemeinsamen Erlebnissen heute Morgen vor allem interessieren, wie Sie Ihre Stressresistenz beurteilen. Vielleicht können Sie uns etwas dazu sagen.« Sie lächelte und lehnte sich zurück. Die Runde wurde sehr ruhig – jeder spürte, dass sich hier etwas Ungewöhnliches anbahnte. Eine Dame aus der Personalabteilung sprach Frau S. an: »Klären Sie uns bitte auf, worum geht es hier und worauf beziehen Sie sich?« »Oh, vielleicht erzählt uns das besser Herr F.«, war deren Antwort. Die mangelnde Stressresistenz wurde in diesem Moment augenscheinlich: Mit rotem Kopf musste der Bewerber stotternd über die Situation berichten, anschließend würgte er noch ein »Tut mir sehr leid« heraus. Dass er den Job nicht bekommen hat, dürfte sicher keine Überraschung sein.

Der Hintergrund

Knopf an, Knopf aus – das funktioniert nicht mit unseren Umgangsformen. Wir können sie nicht nur manchmal beachten. Sie geben schließlich immer ein Bild davon ab, wie wir als Mensch sind, wie wir unsere Beziehung zu anderen sehen und gestalten, was für ein Menschenbild wir haben. Privatleben und Beruf lassen sich zudem heute immer weniger trennen. Viel von dem, was wir tun, wird öffentlich: über eine Wunschliste bei Amazon, Fotos, die wir ins Internet stellen und Gruppen, denen wir bei Facebook oder anderen Netzwerken beitreten. Doch auch nicht nur in der virtuellen, sondern ebenso in der realen Welt treffen wir Menschen immer wieder. Manch einer nimmt uns wahr, den wir selbst noch nie bewusst gesehen haben, die Kassiererin im Supermarkt zum Beispiel, den stillen Nachbarn, die Angestellte der Post. Jeder von all diesen Menschen kennt wieder Menschen, die auf andere Weise etwas mit uns zu tun haben könnten. Jeder kann uns jederzeit wieder in ganz anderen Situationen begegnen. Wem die Termini »Wertschätzung«, »Achtung« und »Respekt« etwas bedeuten und wer sie auch wirklich versteht, setzt Symbole dafür nicht nur punktuell und strategisch ein, sondern lebt sie Tag für Tag. Nur so kommt es zu einem stimmigen Persönlichkeitsbild, zu Authentizität und einem wirklich gewinnenden Auftreten. Menschen, die auch auf öffentlichen Toiletten freundlich und wertschätzend mit der dort sitzenden Reinigungskraft umgehen, wirken anders als jene, die ihr Lächeln für den VIP-Kunden aufsparen.

Die Regel

Der ehemalige Gucci-Designer Tom Ford hat fünf Regeln für den Gentleman formuliert. Die erste davon lautet: »Sie sollten die beste Version von sich präsentieren, wenn Sie in die Welt hinausgehen. Nur so zeigen Sie den Leuten um sich herum den nötigen Respekt.« In meinen Augen ist das nicht nur für den »Gentleman« eine gute Handlungsmaxime, sondern für jeden Menschen.

 

Karrierekiller!: Versteckte Fallen auf dem Weg nach oben (Nandine Meyden)

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