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Stolpersteine bei der Heimkehr

Wer sich voller Enthusiasmus aufmacht, für eine Weile im Ausland zu leben, wird sich wohl selten Gedanken über die Heimkehr machen. Das ist bis zu einem gewissen Grade auch gut so, denn man hat mehr als genug damit zu tun, sich in seiner temporären Heimat zurechtzufinden.

Trotzdem sollte man den Zeitpunkt der Heimkehr nicht aus den Augen verlieren, denn auch die Rückkehr sollte gut vorbereitet sein und hält einige unerwartete Stolpersteine breit.

Eines der wichtigsten und oftmals vergessenen Aspekte ist die berufliche Weiterentwicklung nach dem Auslandsaufenthalt, insbesondere wenn der Wechsel innerhalb des Unternehmens erfolgt. Der Mitarbeiter ist außer Land, die Stelle neu besetzt, und niemand macht sich Gendanken darüber, wo  er bei seiner Rückkehr eingesetzt werden kann.

Meist findet sich schon irgendeine Stelle. Aber das ist der Knackunkt. „Irgendeine Stelle“ war sicher nicht das Ziel, als die Pläne fürs Ausland gemacht wurden. Der Auslandsaufenthalt solle ja der Karriere dienen, und nicht zum Stolperstein werden. Darum sollte man sich beizeiten immer wieder in Erinnerung rufen und frühzeitig – evtl. sogar schon vor der Abreise – für die berufliche „Zeit danach“ planen.

Die berufliche Wiedereingliederung ist aber nicht alles. Viele werden auch feststellen, dass man nach der Heimkehr plötzlich nicht mehr ganz so heimisch ist, wie man es erwartet hätte, und sich auch hier wieder erst einleben muss. Der Kulturschock ist bei der Heimkehr schwächer als bei der Abreise, aber er ist vorhanden und trifft eigentlich jeden in der ein oder anderen Form – und das meist vollkommen unerwartet. Deshalb kann dieser leichter ausgeprägte Kulturschock dann sogar verstörender sein als beim „Wegzug“.

Wie kann das sein? Hat sich alles in den zwei, drei Jahren so verändert? Natürlich nicht. Aber etwas hat sich verändert, ohne dass man es gemerkt hätte – man selber. Man hat eine neue Kultur kennengelernt und verinnerlicht, sieht nun vielleicht gewisse Eigenheiten des eigenen Landes mit anderen Augen, hat Dinge schätzen gelernt, über die vorher nie nachgedacht wurde. Klangheimlich hat sich der eigene Blick geweitet, und man hat zwangläufig an Toleranz gewonnen gegenüber unterschiedlichen kulturellen Gepflogenheiten, hat vermutlich das ein oder andere kulinarische Experiment gewagt, und festgestellt, dass einige fremde Traditionen auch nicht sehr viel seltsamer sind als die eigenen. Kurz gesagt: man ist weltoffener geworden.

Dieses neue ich wird selbstverständlich etwas brauchen, sich wieder in die „alte“ Umgebung einzufinden.

Jemand hat mal gesagt, an jedem Ort wo man mal gewohnt hat, ist ein Stück des Herzens zurückgeblieben. Etwas sehr physisches lässt man aber auf jeden Fall zurück: neu gefundene Freunde.

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