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Wie war das noch mal mit Bologna?

Vor rund 10 Jahren wurden die in den 1990er Jahren beschlossenen umfangreichen Hochschulreformen tatsächlich in Kraft gesetzt. Aus den alten Diplomen und Magisterabschlüssen wurden bekanntlich Bachelor und Master. Dies war die mit Abstand größte Hochschulreform der vergangenen Jahrzehnte und sollte die Vergleichbarkeit der Hochschulabschlüsse auf internationaler Ebene vergleichbar machen. Dieser Artikel beschäftigt sich insbesondere im Hinblick auf die Chancen im Erwerbsleben auf diese drei Aspekte:

  • Beschäftigungsfähigkeit
  • besserer Stand im internationalen Wettbewerb
  • verbesserte Mobilität der Absolventen

 

Beschäftigungsfähigkeit

Wie sieht es nun damit aus? Wie kommen die neuen Studienabgänger bei den Unternehmen an?

Zunächst muss man festhalten, dass für Spezialisten- und Führungspositionen in der Regel ein Studienabschluss verlangt wird. Warum ist nicht immer offensichtlich, insbesondere wenn in einer Ausschreibung ein „technisches, wirtschafts- oder geisteswissenschaftliches Studium“ verlangt wird, was man meistens mit „der Kandidat muss studiert haben, egal was“ übersetzen kann. Dies rührt in der Regel daher, dass ein akademischer Absolvent eine bestimmte Art, sich Wissen anzueignen im Rahmen des Studiums angeeignet hat, was bei Lehrberufen nicht der Fall ist. Diese Fähigkeiten werden in vielen verantwortungsvollen Positionen benötigt, denn Freiraum am Arbeitsplatz bedeutet eben auch zwingend, dass man wegen Fehlens einer permanenten Anleitung (Fremdbestimmung) seine Aufgaben selbst strukturieren muss. Diese Erfordernis fußt noch auf dem Studienweg der sogenannten „Humboldt’schen Universität“. Nun zeigen aber die Lehrpläne der Bolognastudiengänge, dass die bereits vorher eingesetzte Verschulung der Studiengänge durch diese Reform noch weiter vorangetrieben wurde. Daher stellt sich die berechtigte Frage, wie denn die neuen Absolventen von der Wirtschaft angenommen werden?

Für eine Stichprobe wechselten wir auf das Onlineportal einer großen deutschen Jobbörse und gaben im Volltextsuchfeld abwechselnd die Begriffe „Bachelor“ und „Master“ ein.

Für „Bachelor“ waren 2.626 Festanstellungen ausgeschrieben, für Master fast ein Drittel mehr, nämlich 3.405. Das spricht nun nicht dafür, dass der Bachelor, wie ursprünglich erhofft, der neue Regelabschluss für den Einstieg ins Berufsleben geworden ist. Die Bachelor-Absolventen sind zwar wie vor der Reform von Unternehmerverbänden gefordert jünger, aber deshalb nicht unbedingt gefragt. Den Ruf als „halbes Diplom“ wird der Bachelor aber erst verlieren, wenn die Absolventen auch die versprochene Chance am Arbeitsmarkt bekommen.

 

Besserer Stand im internationalen Wettbewerb

Wie sieht es mit der Vergleichbarkeit der Abschlüsse vor allem im Wettbewerb mit den angloamerikanischen Abschlüssen oder den Zertifikaten aus den frankophonen Ländern aus?

Eher ernüchternd, wenn man entsprechenden Studien z.B. der OECD Glauben schenkt. Das Kernanliegen der Reform, in einer zunehmend globalisierten Welt es den Nachwuchstalenten zu erleichtern, auch im Ausland beruflich schnell Fuß zu fassen. Dieses Ziel wurde bislang nicht erreicht. Am Beispiel des Diplom-Ingenieurs wird dies besonders deutlich. Denn der alte deutsche Abschluss hat insbesondere in Nordamerika und Japan seit jeher einen exzellenten Ruf. Anders als der neue Abschluss Master of Engineering. Deshalb sind deutsche Universitäten dazu übergegangen, neben dem neuen Abschluss gegen Gebühr auch das gute alte Diplomzeugnis zu verleihen. Dies aber nur bei den Masterabschlüssen. Daher bleibt der Bachelor entgegen der Zielsetzung nur knapp über der Stufe des alten Vordiploms. Man braucht nicht viel Phantasie um zu ahnen, dass die Bachelorabsolventen zwar grundsätzlich Beschäftigung finden können, dies aber zu wesentlich geringeren Einstiegsgehältern, obwohl diesem akademischen Grad in der Regel ein achtsemestriges und damit vollwertiges Studium vorausgeht.

 

Verbesserte Mobilität der Absolventen

Es ist nicht erkennbar, dass sich am Bewerbungsradius der Absolventen etwas grundlegend geändert hat. Zumindest bei den gängigen Berufsbildern bleiben die Neuakademiker meist im Heimatland, was auch mit der hohen Wirtschaftskraft in Deutschland zu tun hat. Dies vor allem im Vergleich zu den angrenzenden Nachbarländern. Wer nach Übersee oder Asien abwandern wollte, konnte dies auch bereits vorher mit deutschem Diplom oder Magister. Zumal sich die Immigrationsvorgaben vor allem der USA nicht verändert haben. Einzig bei Medizinern ist eine verstärkte Abwanderung nach UK zu beobachten. Der Vergleich hinkt aber, weil Ärzte nach wie vor zwei Staatsexamina ablegen müssen und daher von der Bolognareform noch nicht betroffen sind. Für die Techniker und Wirtschaftswissenschaftler haben sich die Rahmenbedingungen nicht wesentlich geändert. Vielleicht ist es noch zu früh, über die Erreichung dieses spezifischen Zieles ein Urteil zu fällen. Es wird sich zeigen, wie sich die Zukunft der Arbeitsmigration bei Spezialistenberufen künftig entwickeln wird.

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