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Berufspendler stellen erneut einen Rekord auf

Der Trend zum Pendeln zwischen Wohnort und Arbeitsstätte ist in Deutschland ungebrochen. Einerseits ist dies auf den weiteren Beschäftigungsaufbau zurückzuführen. Anderseits wird Wohnen vor allem in Großstädten immer teurer, weil es nicht genügend Angebote an bezahlbaren Wohnungen gibt. Daher werden vor allem Geringverdiener und Familien mit mehreren Kindern meist ungewollt an die Stadtränder oder ins Umland gedrückt.

 

Statistisch betrachtet stieg der Anteil der Pendler im Jahr 2016 um 0,2 Prozentpunkte auf einen neuen Rekordwert von insgesamt 59,4 Prozent gestiegen. Dies teilte das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) Ende Juli mit. In absoluten Zahlen waren somit im vergangenen Jahr 18,4 Millionen Arbeitnehmer täglich auf längeren Strecken zwischen Wohnung und Arbeit unterwegs. Wenig überraschend, dass die bayerische Landeshauptstadt München den größten Zuwachs auf nun 365.000 berufliche Pendler zu verzeichnen hatte. Im Jahr davor waren es noch 355.000 Menschen.

 

Nicht nur in München, auch in anderen Ballungsgebieten sind die Mietpreise in den vergangenen 15 Jahren kontinuierlich gestiegen. Es werden viel zu wenige Wohnungen neu errichtet um der anhaltenden Landflucht wirksam zu begegnen. Dieser Trend ist nun nicht neu, er hält mit unterschiedlicher Intensität seit Beginn der Industrialisierung vor rund 150 Jahren an. Die Anzahl der Großstädte in Deutschland wächst, neben den bisherigen Millionenstädten Berlin, Hamburg, München und Köln könnten bald weitere Städte folgen. Dies geschieht einerseits durch Wohnraumverdichtung im Bestand, andererseits durch Eingemeindungen. Dennoch ändert dies nichts an der Tatsache, dass das Angebot an bezahlbaren Wohnungen weiterhin zu niedrig ist. Die Politik steuert zwar seit ein paar Jahren dagegen, aber es wird noch eine Zeit lang dauern, bis sich hier Entspannung abzeichnet. Einstweilen werden Staus auf den großen Ausfallstraßen und Stadtautobahnen länger, die Nutzer der öffentlichen Verkehrsmittel müssen sich auf noch engere Platzverhältnisse und Verspätungen einstellen. Denn die Wirtschaft, insbesondere der moderne Dienstleistungssektor setzt ungebrochen auf Unternehmenssitze in repräsentativen Stadtlagen. Erfreulich, dass dadurch Arbeitsplätze nicht nur erhalten, sondern weiter aufgebaut werden. Nur müssen die Mitarbeiter auch irgendwo wohnen. Zwar profitieren in allen Ballungsgebieten die Umlandgemeinden und -kreise vom Wachstum der wirtschaftsstarken Metropolen. Aber an den Beispielen München und Frankfurt/Main sieht man auch hier bereits die Grenzen des Wachstums. Ergebnis der baulichen Aktivitäten sind dann oftmals sogenannte „Schlafstädte“ mit reiner Wohnbebauung.

 

Eine andere Nebenwirkung dieser auf Wohnen ausgerichteten Erschließung des Umlands ist Flächenverbrauch und die dann weiter nach außen vorgelagerte Verkehrsbelastung. Tendenz weiter steigend. Daher ist es notwendig, dass die Infrastruktur mit dem Wachstum Schritt halte hält, indem man auch das sogenannte „Outback“ sowohl durch Straßenneubau, als auch durch Ausbau des Angebots an öffentlichen Verkehrsmitteln wirksam anbindet.

Unter anderem wegen dieser weiträumigen Erschließung vormals ländlicher Gebiete mit Anbindung an die Cities hat dazu geführt, dass die durchschnittliche Länge des einfachen Arbeitsweges ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Die Erhebung hat eine Steigerung um mehr als 10 % seit dem Jahr 2000 (14,6 Kilometer) auf 16,8 Kilometer im Jahr 2015 ermittelt. Es gilt jeweils der einfache Fahrweg.

 

Es lohnt sich bei dieser Gelegenheit aber auch ein Blick auf die sogenannten Fernpendler. Die Anzahl dieser Gruppe im 15-Jahresvergleich zwischen 2000 und 2015 ebenfalls stark gestiegen. Der Zuwachs beträgt 30 % (1 Mio. auf nun 1,3 Mio.) bei Berufstätigen mit einem einfachen Arbeitsweg von mehr als 150 Kilometern. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass viele Arbeitnehmer für ihren Traumjob bereit sind, teils sehr lange Anfahrtswege von mehr als 40 Kilometern einfacher Strecke in Kauf zu nehmen. Hier ist es allerdings öfters der Fall, dass diese Arbeitnehmer arbeitsortnah ein Apartment mieten und dann als sogenannte Wochenendpendler die freien Tage bei der Familie verbringen. Dadurch lässt sich zwar die Zeit, die man im Auto oder in der Bahn verbringt, insgesamt reduzieren, allerdings steigen Staugefahr und das Risiko überfüllter Fernzüge Freitagnachmittags und Sonntagabends massiv an. Die öffentliche Hand ist daher gut beraten, die infrastrukturelle Vernetzung weiter auszubauen, insbesondere das Fernstraßen- und Fernzugnetz zu erweitern, langfristig aber auch die Benutzbarkeit an den meisten Tagen im Jahr zu gewährleisten. Wer kennt sie nicht, die Dauerbaustellen auf Autobahnen oder umständliche Zugumleitungen.

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