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Deflationsgefahr offenbar abgewendet – allerdings steigen die Reallöhne 2017 deutlich langsamer

Viele Jahre lang warnten die Notenbanker in Europa und auch in den USA vor der Gefahr einer drohenden negativen Inflation, auch Deflation genannt. Auslöser war die Finanz- und Wirtschaftskrise, die vor knapp 10 Jahren ihren Ausgang nahm. In der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts wurden für Deutschland Inflationsraten deutlich unter 1 % publiziert. Unabhängig davon, dass im sogenannten Warenkorb viele Produkte enthalten sind, die nicht zum täglichen Bedarf gehören, registrierten die meisten Verbraucher tatsächlich eine kaum spürbare Teuerungsrate. Lebensmittel wurden 2015 u.a. wegen der Russlandsanktionen sogar preiswerter, weil es ein Überangebot an Obst, Gemüse und Fleisch im europäischen Binnenmarkt gab. Da die Sanktionen einerseits die russischen Rohstoffe nicht betrafen, andererseits der iranische Markt v.a. für Öl wieder für westliche Nationen nach Lockerung der Embargos wieder geöffnet wurde, sanken zum Teil auch die Energiepreise, oder erhöhten sich zumindest nicht merklich. Außer Strom, der über die EEG-Umlage verteuert wird, sieht man auch heute noch tendenziell fallende Benzin- und Dieselpreise, aber die Teuerungen bei den Lebensmitteln und Haushaltsbedarf neutralisieren diese Ersparnisse für die Endkonsumenten.

 

So stiegen die Verbraucherpreise bei Lebensmitteln im Sommer 2017 um durchschnittlich 1,7 %. Dies ist zwar immer noch weniger, als die EZB mit 2 % pro Jahr gerne hätte, aber eine deutliche Steigerung im Vergleich zu den Seitwärtsbewegungen der vorvergangenen Jahre. Im April lag die Teuerungsrate sogar bei 2 % glatt. Dies könnte mit den Osterferien und den dann stets leicht steigenden Benzinpreisen zusammenhängen.

 

Nachdem aber das offizielle dauerhafte Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) noch nicht dauerhaft erreicht wird, ist eine rasche Abkehr von der seit Längerem geübten Nullzinspolitik in der Währungsunion nicht in Sicht. Die besser laufende  Konjunktur führt der Präsident Mario Draghi sogar auch seine Währungspolitik zurück. Also schlechte Nachrichten auch für die Sparer, vor allem in Deutschland.

 

Aber auch für konsumorientierte Arbeitnehmer sind dies keine guten Nachrichten. Die Reallöhne sind im laufenden Jahr bislang kaum gestiegen. Gute Tarifabschlüsse haben in den Vorjahren die Lohnentwicklung meist über der Inflationsrate laufen lassen. Wenn man sich allein die Preissteigerungen bei bestimmten am Ende des 2. Quartals 2016 ansieht, hat dies auch unmittelbare Auswirkungen für die niedrigen Einkommensklassen. Butter sticht mit einer Steigerung des Durchschnittspreises um 60 % klar hervor. Auch andere Milchprodukte verteuerten sich spürbar. Bei Fisch mit 3,4 % und Fleisch mit 1,8 % ist ebenfalls eine überdurchschnittliche Steigerung im Juni 2017 amtlich festgestellt.

 

Preiswerter wurde es eigentlich nur bei Fernwärmeumlagen, Sprit stagnierte, ebenso Heizöl mit einer moderaten Steigerung um 0,2 %.

Somit ist eine Wende bei der Geldpolitik nicht wahrscheinlich, während die „Fed“ in den USA bereits seit einigen Monaten zaghaft umsteuert, ohne die dortige Konjunktur abzuwürgen. Im Gegenteil sind die Arbeitsmarktdaten in den USA seit Monaten im Aufwind. Ungewiss ist lediglich, ob trotz oder wegen Donald Trump. Für die Eurozone erteilte Draghi aber einer baldigen Umkehr der Niedrigzinspolitik eine klare Absage. Zitat vom 08.06.2017: „Gleichwohl ist ein beträchtlicher Akkommodationsgrad der Geldpolitik weiter erforderlich, damit die Inflation dauerhaft und selbsttragend an Dynamik gewinnt. Um sicher zu gehen, dass die Inflation zu unserem Ziel zurückkehrt, muss die Geldpolitik ausdauernd sein“. Dies heißt im Umkehrschluss, dass man weiterhin beobachtet, ob die hier beschriebenen Trends nachhaltig sind.

 

Nun ist die Eurozone bekanntlich aber sehr heterogen. Für Deutschland rechnet das renommierte Münchner Ifo-Institut 2017 mit einer durchschnittlichen Teuerungsrate von rund 1,7 Prozent. Dies wäre nach 2016 (0,5 Prozent) mehr als eine Verdreifachung.

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