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Herausforderung Großraumbüro – Tipps für konzentriertes Arbeiten

Die Zeiten, in denen man in einem Einzel- oder Zweierbüro eine relativ traute Arbeitsumgebung hat, sind lange vorbei. Dies hängt natürlich mit Kosteneinsparungen z.B. bei der vernetzten Elektronik in modernen Bürowelten zusammen, hat aber auch Vorteile für die Kommunikation und das Team-Building. Letztlich können nur mehr gehobene Führungskräfte auf eine wirklich abgeschottete Umgebung Anspruch erheben, dies hat meist vertrauliche Gründe, was Gespräche und Gäste betrifft.

 

Nichtsdestotrotz erwarten Arbeitgeber selbstverständlich, dass die Mitarbeiter auch in größeren Büroeinheiten ihre Arbeit gewissenhaft erledigen. Meist wird eine „Landschaft“ mit Bepflanzung, Sichttrennwänden und vielfach auch Ruhezonen mit Sitzecken, Kaffee-/Teemaschine u.a.m. kreiert. Denn von gut gelaunten und motivierten Mitarbeitern hat auch der Chef einen Mehrwert.

 

Nun kann man aber auch bei bester Absicht und optisch anspruchsvoll gestaltetem Umfeld die übliche Geräuschkulisse nie ganz eliminieren. Surrende Drucker, Faxe, klingelnde Telefone, laut geführte Gespräche, wenn der Teilnehmer an der anderen Leitung gerade mobil über die Autobahn fegt, Ratsch und Tratsch über Ausflüge am Wochenende, Modetrends, Kindergeburtstage etc. gehören zum normalen Alltag. Da wird konzentriertes Arbeiten, vor allem unter Termindruck oder wenn man kreativ sein muss, zur echten Herausforderung. Studien belegen, dass die individuelle Leistungsfähigkeit eines Menschen bei diesem Umgebungslärm um 5 – 10 % absinken kann. 80 % der befragten Arbeitnehmer bei einer Studie in Österreich gaben an, dass sie durch die Lärmkulisse gestresst werden.

 

Aber es gibt ein paar Strategien, wie mit der gegebenen Ablenkung positiv umgehen kann:

1. Hauptstressfaktor sind telefonierende Kollegen. Während das menschliche Ohr sich nach kurzer Zeit an das typische Klingeln gewöhnen kann und dies nicht mehr als störend empfindet, funktioniert das mit menschlichen Stimmen nicht. Wenn Schreibtische paarweise aufgestellt sind, kann man nach Rücksprache mit dem Chef und Zustimmung des betroffenen Kollegen die Anordnung so verändern, dass man den Schall nicht mehr direkt frontal abbekommt. Zumal man heutzutage nahezu immer hinter einem mehr oder weniger großen Bildschirm sitzt, der ebenfalls Schall abfängt. Manche Menschen haben von Natur aus ein sehr lautes Sprechorgan. Die höfliche Bitte, die Stimme beim Telefonieren etwas zu senken kann schon viel bewirken.

2. Privatgespräche jeder Art stören unabhängig davon, ob diese telefonisch oder face-to-face geführt werden. Unabhängig davon, dass man nicht unbedingt über Spielplatzgeschichten, die kranke Oma unbekannterweise oder gar Liebesgeschichten zwangsinformiert werden möchte, wäre es aber ein Fehler, damit zum Vorgesetzten zu gehen. Das wird einem als „Verpetzen“ angekreidet. Besser, man spricht das in der Mittagspause im Team an, wenn es völlig ausufert oder man beruft ein Meeting – ggf. auch ein After-Work nach Büroschluss – ohne Chef ein und spricht sein Anliegen offen an. Meist herrscht dann Einsicht und man verabredet z.B., dass private Themen nicht zwischen den Schreibtischen, sondern in der Kaffeeküche o.ä. geführt werden. Private Telefonate sehen Unternehmen ohnehin nicht gerne, manches lässt sich aber nicht vermeiden. Vielleicht befindet sich in der Nähe des Schreibtisches ein Besprechungsraum, den man für private Themen mit dem eigenen Handy kurz nutzen kann. Gegen Vereinbarungen von Arztterminen oder anrufende Kinder, die spontan Hitzefrei bekommen haben, hat niemand etwas einzuwenden und dies ist sogar gesetzlich erlaubt. Nur möchte es nicht jeder Kollege mithören müssen.

3. Wer kreativ sein muss, z.B. SEO-Manager oder Web-Architekten, aber auch Entwicklungsingenieure an ihren CAD-Systemen haben andererseits den Luxus, nicht ständig telefonisch erreichbar sein zu müssen. Vielen hilft persönlich ausgewählte Musik über Kopfhörer, damit das Gehirn die erforderlichen neuen Ideen und Konzepte hervorbringt. Wem das so geht, der sollte mit seinem Chef vereinbaren, dass er zu bestimmten Tageszeiten mit Kopfhörern Musik hört, weil dadurch der eigene Output steigt. So kann man sich in seine Themen vertiefen, auch wenn der Großdrucker nebenan gerade mehrere tausend Broschüren ausspuckt.

4. Tut Ihnen ein Spaziergang alleine zur Mittagspause gut, damit sie Kraft für den Nachmittag tanken? Dann nutzen Sie diese Möglichkeit, besprechen dies aber im Team, damit Sie nicht wie ein Außenseiter oder Sonderling dastehen. Ob mit oder ohne Musik im Ohr: frische Luft und relative Ruhe im Freien verbunden mit Bewegung hilft vielen Menschen.

5. Wenn dies alles nichts hilft oder möglich ist, kann man noch mit dem Vorgesetzen über die Wahl des konkreten Arbeitsplatzes im Großraumbüro sprechen. Am besten die Kollegen einbinden. Es gibt nämlich nicht wenige Menschen, die im gefühlten Getümmel aufblühen und produktiver werden, wenn möglichst viel Input an sie herankommt, während andere bei einem Schreibtisch im Eck eher eine Erleichterung sehen, sich also nicht ausgrenzt fühlen. Wenn das möglich ist, könnte eine Win-Win-Situation hergestellt werden. Offenheit ist auch hier das Zauberwort, damit niemand etwas missverstehen kann.

 

Der Wunsch nach einem Einzelbüro hingegen wird aus den schon genannten Gründen fast immer nicht erfüllt werden. Denn was Kommunikation und soziale Interaktion betrifft, gewinnt das Großraumbüro gegen alle anderen Lösungen im Arbeitsalltag.

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