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Lücken im Lebenslauf sind kein Beinbruch, wenn sie ehrlich erklärt werden

Schon seit mehr als zwei Jahrzehnten sind Entwicklungen zu beobachten, die aus verschiedenen Gründen dazu führen, dass immer mehr Bewerber keinen klassischen lückenlosen Lebenslauf mehr vorlegen können. Die gute alte „Deutschland AG“, wie man die Binnenwirtschaft während der deutschen Teilung im damaligen Westen gerne nannte, wurde durch Mergers, Fusionen, Insolvenzen auf der einen Seite, dem Aufkommen neuer Technologien auf der anderen Seite sukzessive abgewickelt. Die Globalisierung ist der Augenscheinlichste für mehrere Gründe, warum deutsche Karrieren immer häufiger Lücken und Knicks aufweisen. Nicht mehr selten verlaufen Karrierewege nicht mehr geradlinig. Dies können häufige Jobwechsel, vorzeitige Kündigungen, oder auch ein Neustart zur Folge haben. Man sollte als Bewerber gerne kreativ formulieren, dabei aber nicht die Unwahrheit dokumentieren. Karriereberater geben wertvolle Hinweise, wie Kandidaten sich im optimalen Licht darstellen können.

 

Kündigung im Frühjahr, neue Stelle aber erst im Herbst? Lücken von mehr als sechs Monaten, in konservativen Branchen auch schon ab zwei Monaten müssen entweder im Lebenslauf oder zumindest im Anschreiben erklärt werden. Darauf zu hoffen, dass es schon nicht auffällt, ist weitgehend zwecklos. Sogenannte A-B-C Analysen erfolgen heutzutage meist standardisiert und bei wem Unklarheiten nach der ersten Prüfung offen bleiben, der wird in aller Regel nicht im „A-Stapel“ landen. So kann man sich trotz bester Qualifikation und Referenzen leichtfertig um eine Chance bringen.

 

Idealerweise erklären Sie eine oder mehrere Lücken direkt im Lebenslauf. Dies hat den Vorteil, dass Ihr Curriculum chronologisch keine zeitlichen Diskrepanzen aufweist und dadurch die Lücken nicht nur sichtbar dokumentiert sind, sondern sich zugleich auch Erklärungen finden. Es ist immer negativ, wenn der Personaler das Gefühl hat, einen Bewerber bei etwas ertappt zu haben. Wenn man selbst schon beim Erstkontakt mit einem Arbeitgeber mittels der üblichen Unterlagen in die Offensive geht, kann man dieses schlechte Bauchgefühl vermeiden. Im Anschreiben kommen Erklärungen sie möglicherweise zu spät, weil im Rahmen der Vorauswahl normalerweise zuerst die CVs gelesen werden und dann der Blick auf Anschreiben und Zeugnisse fällt. Ehrlichkeit währt auch in diesem Fall am längsten. Erfinden Sie keine Weltreise, wenn Sie z.B. nach einer überraschenden betriebsbedingten Kündigung mehrere Monate sogenannter Kunde bei der Arbeitsagentur waren. Zu dieser Weltreise könnten Sie selbst bei Einladung zu einem Bewerbungsgespräch ebendort befragt werden und dann sind Sie wohl blank, was Ihre Eindrücke von Asien oder Südamerika betrifft. Damit wäre das Gespräch normalerweise beendet und ein anderer bekommt den Job. Verstricken Sie sich also nicht fahrlässig in solche Widersprüche. Wenn Ihnen gekündigt wurde, der alte Arbeitgeber zahlungsunfähig wurde, Sie im Rahmen einer Unternehmensfusion in Richtung einer Auffanggesellschaft „abgebaut“ wurden o.ä., dann schreiben Sie das auch so im Lebenslauf. Das gilt natürlich auch für Schicksalsschläge der Vergangenheit, etwa ein akuter Pflegefall in der Familie, weswegen Sie Ihre alte Stellung aus Zeitgründen aufgegeben haben. Oder auch, wenn Sie sich dazu entschieden hatten, über die Länge der Elternzeit hinaus für Ihr Kleinkind ganztags dazusein und Sie sich daher auf eine Aufhebung gebeten hatten. Gründe gibt es viele und die meisten Leser Ihrer Bewerbung haben entweder selbst oder in ihrem persönlichen Umfeld ähnliche Themen erleben müssen. Arbeitnehmer sind keine Maschinen sondern Menschen und als solche soziale Wesen. Umso wichtiger, dass man nicht flunkert oder Verschleierung betreibt.

 

Allerdings sollte die Erklärung der Lücke auch nicht so formuliert sein, dass sie die Jobchancen schmälert, wenn einen z.B. selbst eine Krankheit zeitweise außer Gefecht gesetzt hatte. Hier ist der Hinweis wichtig, dass man vollständig rehabilitiert ist. Sonst löst man auf der Gegenseite Befürchtungen aus, die einen in der Rangfolge auf eine Stelle weit nach hinten werden können.

 

Übrigens: bei Führungskräften ist es mittlerweile durchaus gang und gäbe, dass sie nach einigen Jahren in einer verantwortungsvollen Position einen sogenannten Sabbatical einlegen. Eigentlich kein Personalverantwortlicher wird da noch die Nase rümpfen. Im Gegenteil ist es in Zeiten des Burn-out erwünscht, dass Top Manager physisch und psychisch erholt eine neue Challenge antreten. Dennoch empfiehlt es sich grundsätzlich, wenn man eine selbstfinanzierte Auszeit, die dann ja keine Arbeitslosigkeit im klassischen Sinne darstellt, dazu nutzt, z.B. Fremdsprachenkenntnisse im Ausland aufzufrischen oder gar eine neue Sprache zu lernen. Dies kann man dann gleich im Lebenslauf anfügen und stellt einen weiteren Skill dar, der Ihre Chancen bei Bedarf im Rahmen der Position sogar erhöhen kann.

 

Aber natürlich hat Offenheit auch Grenzen. Leider ist es immer noch so, dass mit länger werdender Erwerbslosigkeit die Chancen auf Einladungen zu Vorstellungsgesprächen abnehmen. Allen Reformen im Rahmen der Agenda 2010 zum Trotz. Deshalb nutzen viele Arbeitssuchende diese unschöne Phase aus verschiedenen Gründen zur Weiterbildung. Diese wird oftmals auch von den Jobcentern angeboten, die Maßnahmen sollten aber zum Berufsbild passen. Dann kann man ganz offen und ehrlich diese meist unfreiwilligen Lücken schließen und Engagement nachweisen.

 

Ein noch so stringent geschriebener Lebenslauf nützt aber nichts, wenn wesentliche Formalia nicht eingehalten werden. Bei heute unüblichen Papierbewerbungen wären dies weiterhin die berüchtigten Kaffeeflecken und der an eine Kneipe erinnernde Rauchgeruch des Papiers. Auch Eselsohren u.a. wegen zu knapp bemessener Kuverts oder alter Mappen, unsortierte Zeugnisse und andere Fallstricke mehr können Ihre Bewerbung schon eingangs stoppen. Bei den üblichen elektronischen Bewerbungen sollten Sie einen guten Umwandler vom Textverarbeitungsprogramm in das Acrobat Format verwenden und sich explizit an die Vorgaben der häufig eingesetzten Recruitmenttools halten. Dateigrößen beim Upload, Nennung der richtigen Ausschreibungsnummer und vieles andere mehr signalisiert den HR Verantwortlichen, dass Sie sich ernsthaft für eine Stelle interessieren und erleichtern diesen zudem die tägliche Arbeit. In diesem Sinne viel Erfolg!

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