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Manager beurteilen die Änderungen durch die Digitalisierung der Arbeitswelt durchwachsen, Bereitschaft zum Pendeln sinkt

Eine neue Studie, das sogenannte „Manager-Barometer“ kommt im Hinblick auf Arbeitszeiten und die Bereitschaft zum Pendeln bei Führungskräften zu überraschenden Ergebnissen. Zudem sind immer weniger Führungskräfte bereit, für ihre Karriere umzuziehen. Auch sehen sie die Konsequenzen, welche sich aus der fortschreitenden Digitalisierung ergeben, aus verschiedenen Gründen zwiespältig.

 

Im Rahmen der bereits zum sechsten Mal in Folge durchgeführten Studie wurden mehr als 2.000 Führungskräfte im deutschsprachigen Raum zu spezifischen Themen befragt. Durchschnittlich ist der deutschsprachige männliche Manager knapp 50 Jahre, die Kolleginnen im Schnitt 5 Jahre jünger. Von den Männern füllen mehr als 70 Prozent eine Position in der oberen Leitungsebene aus. Bei den Frauen sind es nur gut 20 Prozent. Die übrigen Damen und Herren sind Bereichs- oder Abteilungsleiter.

 

Dabei ist es um die generelle Zufriedenheit mit dem beruflichen Umfeld gut bestellt: Ungefähr drei Viertel aller Befragten sind mit ihrer aktuellen Situation zufrieden oder sogar sehr zufrieden. Unabhängig davon ist aber auch die Bereitschaft zum Stellenwechsel weiterhin gegeben, wenn sich ein interessantes Angebot auftut. Nur rund 30 Prozent schließen einen Arbeitgeberwechsel kategorisch aus. Immerhin mehr als jeder zehnte Manager gibt an, trotz teils großer Zufriedenheit mit dem Job diesen innerhalb der nächsten Monate wechseln zu wollen, bei den eher weniger Zufriedenen liegt die Quote immerhin schon mehr fast dreiviertel der Befragten. Also alles wie immer? Mitnichten! Im Vergleich zu früheren Umfragen ergaben sich diesmal gravierende Änderungen bei der Beurteilung der Arbeitsqualität und der künftigen Gestaltung der Karriere

 

So sind die befragten Führungskräfte subjektiv der Ansicht, dass sie zu viel arbeiten. So liegt die Wochenarbeitszeigt bei den Männern bei knapp 54 Wochenstunden. Eine Reduzierung um 10 Stunden pro Woche halten sie für erstrebenswert. Die Frauen geben ihre Werte mit jeweils zwei Stunden pro Woche etwas niedriger an, die Tendenz ist aber dieselbe.

Für die künftige Entwicklung wesentlicher aber ist die dramatische Abnahme der Mobilität. Galt es in den vergangenen Jahrzehnten zumindest als notwendiges Übel bei der Karrieregestaltung, dass man seinen Wohnort meist grundsätzlich verändern muss, so ist die Bereitschaft dazu deutlich gesunken. Die konkrete Frage in der Studie war, ob Führungskräfte für eine bessere Stellung innerhalb des Landes umziehen würden. Vergleichswerte dazu wurden aus der Studie des Jahres 2014 herangezogen. Waren seinerzeit noch fast 2/3 der Manager grundsätzlich mobil, so sank die Quote innerhalb von drei Jahren auf nur mehr knapp die Hälfte der Befragten. Eine Fernbeziehung üüber einen längeren Zeitraum würden von diesen derzeit nur noch etwas mehr als 1/3 der Manager in Kauf nehmen, ca. 8 Prozent weniger als noch vor drei Jahren.

 

Ein wesentlicher weiterer Aspekt ist die Digitalisierung der Arbeitswelt. Mittlerweile hat sich auch in den Führungsetagen die Erkenntnis durchgesetzt, dass diese keine Zukunftsmusik mehr ist, sondern bereits den beruflichen Alltag erreicht hat. Dabei ist bei den Studienteilnehmern durchaus eine generelle Offenheit für das Thema erkennbar. Rund 4/5 der Befragten sehen den damit einhergehenden Veränderungen mit Spannung entgegen und haben eine positive Einstellung zu den Wandlungen der Arbeitswelt in Industrien und Dienstleistungen. Wenn man sich die Werte genauer ansieht, muss man aber bei den Frauen mit rund 25 Prozent und den Nachwuchsführungskräften mit etwa 24 Prozent feststellen, dass diese beiden Gruppen der Digitalisierung etwas mehr Skepsis entgegensehen als die anderen Gruppen.

 

Vorteile werden sich nach Ansicht der Teilnehmer unter anderem durch die Vereinfachung und Beschleunigung von betrieblichen Prozessen ergeben. Durch Standardisierungen wird erwartet, dass die internationale Zusammenarbeit mit ausländischen Standorten oder Geschäftspartnern reibungsloser wird. Zu guter Letzt wurde die künftig bessere Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit/Familie erwartet und als einer der positiven Aspekte des Wandels dargestellt. Allerdings ist den Befragten auch bewusst, dass die Flexibilisierung der Arbeitswelt auch die Abgrenzbarkeit der beruflichen und privaten Tageszeiten erschwert. Schon seit längerem tragen mobile Kommunikationsgeräte dazu bei, dass die Erreichbarkeit auch nach Büroschluss, sofern es diesen noch im klassischen Sinne gibt, weiterhin nahezu uneingeschränkt gegeben ist. Damit geht ein Bedeutungsverlust der persönlichen Kommunikation einher. Dadurch würde auch die Aufrechterhaltung persönlicher Kontakte erschwert. Außerdem erhöhen die fließenden Übergänge zwischen Berufs- und Privatleben den Druck, auch weil sich dadurch natürlich Beschleunigungen und neue Kontrollmechanismen ergeben. Eine Minderheit der Manager beklagte zudem einen gefühlten Verlust an Eigenständigkeit. Alle diese Begleiterscheinungen des Wandels werden in dieser Studie stärker wahrgenommen als in vorangegangenen Erhebungen.

 

Trotz der Erkenntnis über die Bedeutung der Digitalisierung ergibt sich bei den Einschätzungen der Aspekte kein einheitliches Bild. Dies gilt auch für die Frage, ob die bisherigen straffen Hierarchien eher abflachen werden. Eine knappe Mehrheit bejaht dies, die andere Hälfte sieht das nicht so. Insgesamt haben die deutschsprachigen Führungskräfte keinen einheitlichen Blick auf die Digitalisierung entwickelt. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der grundsätzlichen Frage, ob der klassische Weg über die hierarchische Karriereleiter durch das projektbezogene Arbeiten in wechselnden Teams obsolet wird oder nicht. Vieles ist also noch im Fluss und man sieht, dass der Wandel die Unternehmensstrukturen erst zu ändern beginnt. Der Prozess steht noch weitgehend am Anfang, auch wenn Aussagen von Vorständen und Geschäftsführerin in der Öffentlichkeit oftmals etwas anderes suggerieren. Um für die eigene Zukunft gut aufgestellt zu sein, werden aber mehr als 2/3 der befragten Führungskräfte bei Wechselambitionen darauf achten, dass das neue Unternehmen eine fundierte Digitalisierungsstrategie aufweist.

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