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Trendumkehr bei Kinderlosigkeit berufstätiger Frauen

Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat vor wenigen Wochen interessante Zahlen für ein lange Zeit gesellschaftliches Problem veröffentlicht. Seit Ende der 1960er Jahre bis zu Beginn des neuen Jahrhunderts stieg die Quote jener Frauen, die lebenslang kinderlos geblieben sind, stetig an. Nach Geburtsjahrgang gerechnet hatten von den Frauen in Deutschland, die 1937 geboren wurden, knapp jede Zehnte keine eigenen Kinder. Dieser Anteil stieg bis zum Geburtsjahrgang (der Frauen) 1967 auf 1/5 kontinuierlich an. Schon in den 1990ern schlugen Sozialpolitiker im Hinblick auf die künftige Finanzierung der Renten Alarm deshalb und die Politik setzte zahlreiche Meilensteine, um gegenzusteuern. Zu nennen sind jedenfalls die Einführung der bezahlten Elternzeit vor 10 Jahren sowie das Recht auf einen Krippenplatz vor 5 Jahren. Diese und andere kleinere Maßnahmen haben nun auch messbar dazu geführt, dass die Zahl jener kinderlosen Frauen sogar leicht gesunken ist.

 

Bemerkenswert dabei ist vor allem die Gruppe der Akademikerinnen, die ganz besonderes vom bewussten oder schmerzlichen Verzicht auf eigene Kinder betroffen war und grundsätzlich auch weiterhin ist. Allerdings sorgt die generell bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, vor allem der Ausbau der Kinderbetreuung, dazu bei, dass sich in dieser Gruppe immer mehr junge Frauen für Nachwuchs entscheiden. Jedenfalls ist die Sorge um die eigene berufliche Zukunft nicht mehr herausragend als Argument gegen Kinder angeführt. Vielmehr sorgen sich vor allem akademisch gebildete Frauen darum, ob der Partner der „Richtige“ für die gemeinsamen Kinder sein kann, bzw. dieser Partner muss oftmals erst noch gefunden werden.

 

Freilich fließt auch die stete Einwanderung aus vorwiegend muslimischen Gesellschaften in die Statistik mit ein und sorgt dafür, dass die Geburten absolut steigen. Dennoch wäre diese Gruppe rein zahlenmäßig nicht in der Lage, einen Trend gegenüber der angestammten deutschen Bevölkerung maßgeblich zu beeinflussen. Denn die heute 40- bis 44-jährigen Akademikerinnen weisen 2016 einen um 3 Prozent niedrigeren Anteil an kinderlosen Frauen auf, als noch im Jahr 2012. Rechnerisch ist aktuell ca. ¼ aller Akademikerinnen dauerhaft kinderlos. Der Trend zeigte in der jüngeren Vergangenheit aber schon Richtung eines Drittels aller Akademikerinnen. Somit kann man mit Fug und Recht von einer Trendumkehr sprechen. Diese Frauengruppe kann auf Grund der besseren Betreuungsmöglichkeiten mittlerweile schneller in den Beruf zurückkehren und dies in Vollzeitstellen. Im vergangenen Jahr kehrten 58 Prozent der jungen Mütter, deren Kinder 1 Jahr alt waren, wieder an ihren Arbeitsplatz oder in eine gleichwertige Stelle wie vor der Schwangerschaft zurück. Vor 9 Jahren waren dies erst 54 Prozent, damals war die Elternzeit gerade erst praktisch umgesetzt. Die Vollzeitstellen unter diesen Beschäftigungsverhältnissen stiegen in diesem Zeitraum von insgesamt 16 % auf 24 %. Also auch hier ein klarer Trend nach oben, der weiter ansteigt, je älter das Kind wird. Bei den Müttern mit zweijährigen Kindern steigt diese Quote nämlich auf 58 % bei den Vollzeitstellen (2008: 46 %).

 

Somit bewahrheitet sich, dass Maßnahmen zur Steuerung der Gesellschaftsentwicklung in einem quantitativen Sinne Zeit brauchen, damit man nachhaltige Ergebnisse messen kann. Die Investitionen in Elterngeld, Krippen, Tagesstätten, Kindergärten und Horte, sowie aber auch in Ganztagsschulen zahlen sich am Ende aus, denn die moderne Dienstleistungsgesellschaft im globalen Wettbewerb kann schon aus rein ökonomischen Gründen heraus nicht auf die Arbeitskraft der Frauen verzichten. Von Themen wie Lebensqualität ganz abgesehen.

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