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Wachstumsprognose bis 2021 sieht Abschwächung aus demographischen Gründen voraus

Derzeit überschlagen sich die positiven Meldungen. Nahezu alle Wirtschaftsforschungsinstitute berichten von einem robusten Aufwärtstrend in der Eurozone, vor allem in Deutschland. Die Auftragsbücher sind voll, Unwägbarkeiten wie der Brexit und US-Präsident Donald Trump scheinen wenn dann nur einen geringen Einfluss auf die ökonomischen Entwicklungen haben. Selbst Hiobsbotschaften von großen Geschäftsbanken oder spektakuläre Prozesse z.B. im Zusammenhang mit dem „Diesel-Gate“ hinterlassen keine nachhaltigen Bremsspuren bei Industrie- und Dienstleistungsbranchen. So fällt der Blick für dieses und kommendes Jahr auch rosig aus. Anders, als bisher auch von der Bundesregierung prognostiziert, könnte sich die Konjunktur 2017 sogar besser entwickeln als im abgelaufenen Jahr 2016. Bislang ging man von einer kleinen Delle aus. Nun „brummt“ es aber in den deutschen Betrieben, Arbeitskräfte werden teils händeringend gesucht, die Zahl der Arbeitslosen ist zumindest gemäß offizieller Zählweise auf ein Rekordtief gesunken. Der kurzfristige Ausblick der Unternehmer ist derzeit außerordentlich optimistisch.

 

Gerade bei größeren Investitionen ist aber die mittelfristige Prognose entscheidend. Generell rechnet man in 4-Jahres-Perioden. Für dieses Szenario kann man kaum harte Wirtschaftsdaten anlegen, der Auftragsvorlauf beträgt je nach Branche maximal ca. zwei Jahre. Somit treten andere Faktoren nach vorne, die beim kurzen Fokus oftmals nicht gesehen werden oder tatsächlich nicht ausschlaggebend sind.

 

Jenseits der Faktenanalyse zeigt sich etwa die Bundesbank beim Ausblick bis Anfang des kommenden Jahrzehnts aus verschiedenen Gründen weniger optimistisch. In ihrem Bericht schreibt sie „Während sich die aktuelle Lage und die kurzfristigen Perspektiven der deutschen Wirtschaft momentan günstig darstellen, belastet die demografische Entwicklung die mittel- bis langfristigen Wachstumsaussichten. Der Bevölkerungsrückgang sowie die Alterung der Erwerbspersonen in Deutschland wird das trendmäßige Wirtschaftswachstum mittelfristig deutlich senken.“

 

Somit wird deutlich, dass die seit Jahrzehnten schleichend voranschreitende Alterung der deutschen Gesellschaft insgesamt bei gleichzeitig tendenziell niedriger Geburtenrate uns immer wieder einholt. Sicherlich steigen die Geburten pro Frau u.a. wegen verbesserter Kinderbetreuungsmöglichkeiten, der Einführung umfangreicher Transferleistungen wie dem Elterngeld und auch der Tatsache, dass eingebürgerte Mitmenschen mit Migrationshintergrund immer noch mehr Kinder zur Welt bringen, als Menschen ohne Migrationshintergrund. Die Einwanderungsbewegungen seit dem Ende des Kalten Krieges sorgen auch immer wieder für Abmilderungen dieses generellen Trends. Zudem reagiert die Politik auf die Tatsache, dass die Menschen nur immer länger leben, sondern auch immer länger gesund bleiben, mit der Einführung der „Flexirente“ für all jene, die auch über 65/67 Jahre hinaus arbeiten möchten und Bedarf bei ihrem Arbeitgeber vorhanden ist. Freilich gibt es auch immer wieder gegenläufige Initiativen wie die „Rente mit 63“.

Zu guter Letzt ist aber gerade in diesen Tagen oft zu lesen, dass die fortschreitende Automatisierung und Digitalisierung unterm Strich sogar zu einem Arbeitsplatzaufbau führen wird. Allerdings verändern sich natürlich viele Berufsfelder drastisch. Begriffe wie lebenslanges Lernen dürfen nicht länger nur Teil von Sonntagsreden sein, sondern hier sind auch die Arbeitgeber im Hinblick auf die fortlaufende Qualifizierung ihrer Beschäftigten gefordert. Dennoch wird der demografisch bedingte Rückgang des Erwerbspersonenangebots in Deutschland trotz dieser zahlreichen positiven Faktoren nach Einschätzung der Bundesbank aber nicht gänzlich aufzuhalten sein, selbst wenn künftig im Rahmen eines Einwanderungsgesetzes o.ä. besonders viele Menschen nach Deutschland zur Arbeitsaufnahme kommen.

 

Letztlich droht ein Szenario, bei dem das das mögliche Wachstum einer Volkswirtschaft bei normaler Auslastung der Produktionskapazitäten im Mittel der Jahre 2021 bis 2025 mit 0,8 Prozent pro Jahr niedriger ausfallen als im laufenden Jahrzehnt (derzeit 1,2 Prozent). So vermutet die Bundesbank.

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