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Wie Sie gängige Fehler bei Ihrer Bewerbung vermeiden

Das Abfassen einer Bewerbung gehört zweifelsfrei nicht zu den alltäglichen Herausforderungen. Vor allem in Deutschland ist es eher üblich, dem bestehenden Arbeitgeber treu zu sein, weshalb die meisten Beschäftigten 10 Jahre und länger beim selben Unternehmen bleiben. Je größer das Unternehmen umso größer statistisch auch die Betriebstreue. Wenn man wegen des Partners umziehen muss, sich nicht mit dem neuen Chef versteht oder der Arbeitgeber in wirtschaftlichen Schwierigkeiten ist, wird dies meist ein Grund für die Suche nach beruflicher Veränderung sein. Sind eine oder mehrere passende Stellen gefunden, geht es ans Abfassen der Bewerbungen. Unabhängig davon, dass man heutzutage in fast allen Fällen keine Bewerbungsmappe als Postsendung mehr zusammenstellt, ja selbst die Bewerbung per E-Mail angesichts moderner Onlinedatenbanklösungen der Arbeitgeber aus der Mode kommt, gibt es ein paar Regeln, die zeitlos und unabhängig vom technischen Medium sind.

 

Fehlerhafte Angaben in Ihren Standardvorlagen

Auch bei der elektronischen Bewerbung kommt es auf jeden Fall darauf an, zum einen orthographische oder grammatikalische Fehler zu vermeiden. Zum anderen muss man sich immer in den Adressaten hineinversetzen. Möchten Sie ein Anschreiben lesen, auf dem der Unternehmensname entweder falsch ist oder fehlerhaft geschrieben ist? Steht in der Stellenanzeige ein Ansprechpartner, so ist die Anrede „Sehr geehrte Damen und Herren“ im Anschreiben ebenso unpassend. Was einem als Kleinigkeit durchrutschen kann, ist unter Umständen bei der Selektion durch das Human Resources entscheidend fürs Weiterkommen in die nächste Runde. Kontrollieren Sie also genau das Anschreiben im Hinblick auf die Angaben der spezifischen Stellenanzeige. Am Schluss bitte auch das Datum des Anschreibens und ggf. am Ende des Lebenslaufs aktualisieren.
Haben Sie im Haushalt oder Bekanntenkreis jemanden Ihres Vertrauens, dem Sie die Unterlagen zum Korrekturlesen senden können? Nutzen Sie diese Möglichkeit!

 

Abgedroschene Phrasen

Man neigt bei der Erstellung des Anschreibens gerne dazu, so allgemein wie möglich zu formulieren und dann nur einen Satz auf die konkrete Stelle anzupassen. Wenn man so an die Sache herangeht, kann man natürlich nicht konkret werden und verfällt fast zwangsläufig zu Textbausteinen á la „Ich handle ergebnisorientiert“ oder „Ich weise umfangreiche Erfahrungen…vor“, die den Adressaten Ihrer Bewerbung einerseits langweilen, andererseits vermuten lassen könnten, dass Sie einen selbstgestrickten Serienbrief verwenden. Ein besonderes Interesse an der Stelle wird man Ihnen so nicht unterstellen. Zumal viele dieser gängigen Phrasen Selbstverständlichkeiten beschreiben. Es sollte selbstverständlich sein, dass Sie bei Zuschlag auf den Job mit Interesse, Engagement und ergebnisorientiert herangehen. Das muss eigentlich nicht explizit erwähnt werden. Anstatt dieser Allgemeinplätze beschreiben Sie besser in kurzen Sätzen, wie Sie im Hinblick auf die konkrete Stellenbeschreibung in der Vergangenheit bereits Herausforderungen angegangen sind und Erfolge vorweisen können. Konkrete Beispiele können bei komplizierteren Sachverhalten ebenso hilfreich sein, aber verlieren Sie sich nicht zu sehr in Details. Ein Anschreiben muss für einen Personaler in einer halben Minute erfassbar sein, mehr Zeit hat er oder sie nicht zur Vorselektion. Belegen Sie Ihre Fähigkeiten stattdessen mit Beispielen und Referenzen.
Keywords sind hingegen beim Anlegen von Bewerbungsprofilen bei den großen Onlinestellenmärkten oder sozialen Netzwerken sinnvoll. Hier werden Ihnen meist mittels Suchfunktion passende Fähigkeiten vorgeschlagen, die Sie dann in Ihrem Profil verschlagworten, damit Sie für Arbeitgeber oder Personalberater rasch auffindbar sind und die Angebote für Sie auch einigermaßen passend sind.

 

Falsche Zurückhaltung

In europäischen und asiatischen Kulturkreisen bekommt von klein auf eingeimpft, sich nicht übermäßig ins Rampenlicht zu stellen oder mit Kenntnissen und persönlichen Eigenschaften anzugeben. Dies mag im gesellschaftlichen Umgang sinnvoll sein, will man doch nicht als Narziss dastehen. Bei einer Bewerbung muss man diese sozial antrainierte Zurückhaltung aber ein Stück weit aufgeben, denn wie soll der Personalentscheider Ihre Persönlichkeit werten, wenn Sie nichts Konkretes von sich preisgeben oder tiefstapeln? Nicht erst bei der Formulierung des Anschreibens, sondern bereits bei der Selektion der vermeintlich passenden Stellenangebote fängt das an. So bewerben sich Studienabsolventen trotz mehrerer Jahre Erfahrung als Werkstudenten auf unbezahlte Praktika, weil sie sich eine Bewerbung für ein qualifiziertes Trainee-Programm nicht zutrauen. Oder jemand mit 10 Jahren Teamleitererfahrung bewirbt sich auf eine Sachbearbeiterfunktion oder eine Stelle für Berufsanfänger. Der Schritt zurück kann unter bestimmten Umständen begründbar sein, dies muss man dann aber auch am Beginn des Anschreibens tun. Etwa, weil einem die Aufgabenbeschreibung in besonderer Weise zusagt, weil man von einem kleinen Unternehmen in einen Konzern wechseln würde oder Ähnliches. Nur so kann man das berühmte Fragezeichen in der angeschriebenen Personalabteilung vermeiden und verhindert dadurch womöglich, bereits in der ersten Runde eine Absage zu erhalten, ohne sich persönlich vorstellen und erklären zu können. Der neue Job soll schließlich eine Herausforderung sein.
Darüber hinaus ist es wichtig, auf Konjunktive weitgehend zu verzichten. „Ich könnte, wollte, hätte…“ zeigt dem Leser Ihrer Bewerbung, dass Sie sich unter Umständen mit Entscheidungen schwer tun. Bei Bewerbungen auf Führungsposition ein absolutes no-go!

 

Immer bei der Wahrheit bleiben

Sein Licht nicht unter den Scheffel zu stellen bedeutet natürlich nicht, bei der eigenen Präsentation an den Rand der Hochstapelei zu gehen. Vermeiden daher auch unbedingt Superlative. Wer sich für den Besten hält, wird sich wohl kaum beim neuen Arbeitgeber in ein bestehendes Team einfügen können. Selbstüberschätzung ist zudem immer eine negative Eigenschaft. Wer bei sich selbst Realitätsferne zeigt, wird kaum ein heterogenes Team mit den üblichen Macken, Ecken und Kanten, aber auch herausragenden Fähigkeiten effektiv führen können.

 

Auswahl des Bewerbungsfotos und der Kontakt-E-Mail

Leider kommt es nicht selten vor, dass Bewerber ein Urlaubsfoto o.ä. auswählen. Wir hatten einen Fall, als sich ein Kandidat mit einem Selfie von einer Bergbesteigung am Gipfelkreuz mit dem Untertitel „Gipfelstürmer bereit für neue Herausforderung“ bewarb. Das mag witzig gedacht sein, aber selten wird auf diese Art an Kreativität Wert gelegt. Das Foto sollte einen natürlichen Eindruck erwecken, also auch nicht einem biometrischen Passfoto gleichen. Am besten nimmt man ein paar Euro in die Hand und überlässt einem professionellen Fotografen die Aufgabe, ein geeignetes Foto zu schießen. Ob Sie sich im Anzug bzw. Businesskostüm ablichten lassen, oder doch eher leger aber gepflegt, hängt auch vom Job und Ihrem Alter ab. Ein Schüler auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz wird sich anders präsentieren als ein Manager mittleren Alters.
Ganz wichtig ist zudem eine seriöse Mailadresse, die man bei vielen Anbietern kostenlos anmelden kann. Vorname.Nachname@xyz.de ist ideal. Falls schon vergeben, kann man noch sein Geburtsjahr hinzufügen, dann klappt es meistens. Auf gar keinen Fall angebracht sind Adressen nach dem Schema ballermannheld1987@xyz.de oder Vergleichbares. Wenn Sie so eine Mailadresse im privaten Verkehr nutzen, dann leiten Sie den für Bewerbungen erstellten, unverfänglichen Account einfach um, damit Sie keine Antworten von Arbeitgebern verpassen.

 

Gut vorbereitet zum Vorstellungsgespräch

Sie haben eine Einladung zum Kennenlernen erhalten und damit den zweiten Schritt zum neuen Job gemacht. Nun ist es wichtig, dass Sie sich im Rahmen der Vorbereitung zunächst ein umfassendes Bild vom Unternehmen machen. Mittels Internet heutzutage kein Problem mehr, selbst kleine Betriebe haben im Netz mehr als nur eine reine Visitenkarte mit Impressum und Anfahrtsskizze hochgeladen. Auch Dienste wie kununu ™ können hilfreich bei der Recherche sein. Oder Sie kennen jemand aus Ihrem Umfeld, der dort bereits arbeitet oder gearbeitet hat. Sprechen Sie diese Menschen an. Nichts ist wertvoller als der O-Ton. Wenn Sie es Ihren Gesprächsteilnehmern gewissermaßen ersparen, die ganze Unternehmenshistorie vor Ihnen auszubreiten und Sie daher rasch zur Stelle und Ihrer Person selbst kommen können, sammeln Sie auf jeden Fall Pluspunkte und zeigen damit, dass Sie sich für diesen Arbeitgeber wirklich interessieren.

 

Alte Schule, aber immer noch aktuell: Dankesschreiben

Unabhängig davon, ob Sie ein Vertragsangebot erhalten oder nicht, ist es sinnvoll, den Gesprächspartnern z.B. per E-Mail für die Zeit und den Austausch zu danken. Falls es nur ein Gesprächspartner war, geht dies auch per Telefon. So bleibt man im Gedächtnis und erhält ggf. auch bei einer Absage mehr Feedback, als dies bei den üblichen Serienbriefen der Fall ist. Bohren Sie aber nicht nach. Die Antidiskriminierungsregelungen binden den Entscheidern leider die Hände, was offene Auskünfte zu einer konkreten Entscheidung betrifft. Dennoch erhält man oft wertvolle Hinweise für weitere Gespräche.

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